Meldestufen erklärt: die Warnstufen bei Hochwasser

Steigt ein Fluss über bestimmte, je Pegel festgelegte Wasserstände, rufen die Behörden Meldestufen aus. Diese Stufen übersetzen eine Zahl in Zentimetern in eine konkrete Bedeutung: von ersten Ausuferungen bis zu großflächig überfluteten Ortslagen.

Hochwasserwarnung ist Ländersache

In Deutschland gibt es kein einheitliches Bundessystem für Hochwasserwarnstufen. Jedes Bundesland betreibt eine eigene Hochwasserzentrale und legt eigene Stufen fest: Bayern arbeitet mit vier Meldestufen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit vier Alarmstufen, Nordrhein-Westfalen mit drei Informationsstufen. Das gemeinsame Portal hochwasserzentralen.de bündelt die aktuellen Warnlagen aller Länder.

Was die Stufen ungefähr bedeuten

Die genauen Definitionen unterscheiden sich je Land, das Grundmuster ist aber ähnlich. Am Beispiel der vier bayerischen Meldestufen:

StufeTypische Auswirkungen
Meldestufe 1Stellenweise kleine Ausuferungen; Wiesen und Uferwege können nass werden.
Meldestufe 2Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
Meldestufe 3Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet; Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen; vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr.
Meldestufe 4Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet; Einsatz von Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang.

Die Schwellenwerte in Zentimetern werden für jeden Pegel einzeln festgelegt, weil die gleiche Wassermenge je nach Flussbett und Umgebung völlig unterschiedliche Folgen hat.

Meldestufen und die Kennwerte MNW, MW, MHW

Neben den behördlichen Warnstufen hat jeder Pegel statistische Kennwerte, die den aktuellen Messwert einordnen: MNW (Mittel der Niedrigwasserstände), MW (mittlerer Wasserstand) und MHW (Mittel der Hochwasserstände), meist über einen Zeitraum von zehn Jahren berechnet. Dazu kommen HHW, der höchste jemals registrierte Wasserstand, und an Schifffahrtsstraßen der HSW, der höchste Schifffahrtswasserstand, oberhalb dessen die Schifffahrt eingestellt wird. Diese Kennwerte zeigen wir auf jeder Stationsseite, sofern die WSV sie bereitstellt.

Farbige Einordnung auf dieser Website

Die Karte auf dieser Website färbt jeden Pegel nach der Einordnung aus der PEGELONLINE-Schnittstelle: unterhalb des Niedrigwasserbereichs, im normalen Bereich oder oberhalb des mittleren Hochwassers. Das ist eine statistische Einordnung als schnelle Orientierung, keine behördliche Warnstufe. Ob für Ihren Ort eine Warnung gilt, sehen Sie ausschließlich bei der Hochwasserzentrale Ihres Bundeslandes.

Häufige Fragen

Was ist eine Meldestufe?

Eine Meldestufe (in manchen Ländern Alarmstufe oder Informationsstufe genannt) ist ein festgelegter Wasserstand an einem bestimmten Pegel, ab dem die Behörden eine bestimmte Warn- oder Handlungsstufe ausrufen. Sie ist an typische Auswirkungen gekoppelt, etwa erste Ausuferungen oder überflutete Grundstücke.

Wer legt die Meldestufen fest?

Die Bundesländer. Hochwasserwarnung ist in Deutschland Ländersache: Bayern arbeitet zum Beispiel mit vier Meldestufen, Sachsen und Brandenburg mit vier Alarmstufen, Nordrhein-Westfalen mit drei Informationsstufen. Die konkreten Schwellenwerte werden je Pegel individuell festgelegt und gelegentlich angepasst.

Was bedeuten die vier Stufen in Bayern ungefähr?

Grob zusammengefasst: Stufe 1 bedeutet stellenweise kleine Ausuferungen, Stufe 2 überflutete land- und forstwirtschaftliche Flächen oder leichte Verkehrsbehinderungen, Stufe 3 überflutete Keller und Sperrungen einzelner Straßen, Stufe 4 großflächig überflutete bebaute Gebiete. Andere Länder definieren ihre Stufen ähnlich, aber nicht identisch.

Was sind MNW, MW und MHW?

Das sind langjährige Kennwerte eines Pegels: MNW ist das Mittel der jährlichen Niedrigwasserstände, MW das Mittel aller Tageswasserstände und MHW das Mittel der jährlichen Hochwasserstände, jeweils über einen festgelegten Zeitraum (häufig zehn Jahre). Sie machen einen aktuellen Messwert erst einordbar.

Was bedeutet HHW an einem Pegel?

HHW steht für den höchsten jemals an diesem Pegel registrierten Wasserstand, oft mit Datum des Ereignisses. Am Pegel Köln stammt der HHW-Wert zum Beispiel vom Februar 1926. Der Wert zeigt, was an einem Standort historisch möglich ist.

Gelten Meldestufen auch für Niedrigwasser?

Nein, Meldestufen betreffen Hochwasser. Für Niedrigwasser gibt es andere Referenzwerte wie den Gleichwertigen Wasserstand (GlW) für die Schifffahrt am Rhein. Auch anhaltendes Niedrigwasser kann erhebliche Folgen haben, vor allem für Binnenschifffahrt, Industrie und Ökologie.

Zur Pegelkarte mit Einordnung →